Eisbaden ist nicht schwer, aufwärmen umso mehr.

Eisbaden und richtig aufwärmen: So kriegst du nach dem kaltbaden wieder warm

Gönnst du dir ab und zu ein Eisbad? Vielleicht in einem See oder Fluss in der Schweiz, frühmorgens oder nach der Arbeit? Würdest du gerne öfters in kaltes Wasser steigen, wäre da nicht dein Körper, der einfach furchtbar lange braucht, um wieder warm zu kriegen? Zu lange, um innert nützlicher Frist wieder bereit zu sein für die nächste Sitzung oder was so ansteht in deinem Alltag?

Was erfahrene Kaltbader:innen wissen: lange im kalten Wasser sitzen ist nicht so schwer - danach wieder warm kriegen umso mehr. Und wenn du dich fragst, was eine normale Aufwärmzeit ist: Nach zwei bis drei Minuten im Eisbad kann es schon mal bis zu rund einer Stunde dauern, bis sich der Körper wieder vollständig aufgewärmt hat. Meine Erfahrung aus den fast zehn Jahren, in denen ich als Wim Hof Instruktorin unterwegs war, hat mich gelehrt: mit ein paar guten Gewohnheiten können wir die die Zeit bis wir uns wieder warm ist um einiges verkürzen und vor allem angenehmer gestalten.

Meine Aufwärm-Tipps Aus der Praxis:


  1. Pack dich nicht zu dick ein

    Zieh nach dem Eisbaden nasse Sachen aus- und eine dünne Kleiderschicht an. Zusammen mit Schuhen und Handschuhen, genügt das für’s Erste. Denn je weniger wir uns unmittelbar nach dem Kaltbaden einpacken, desto besser können die Temperatursensoren auf unserer Haut die Kälte noch wahrnehmen. So signalisieren sie dem Körper, das kalte Blut der Extremitäten erst langsam mit dem warmen Blut der lebenswichtigen Organe zu mischen. So wärmen wir sanfter auf und entlasten mitunter unser Herz, was das Kaltbaden insgesamt sicherer und gesünder macht.

  2. Flüchte nicht in die Wärme

    Geh möglichst NICHT direkt in stark geheizte Räume. Und wenn du gerne nach dem Bad heisst duschst und mich fragst, was ich davon halte: warm oder gar heiss duschen ist aus meiner Sicht ein No-go. Verboten ist natürlich nichts - und wenn ich ehrlich bin: auch schon gemacht. Nach zwei drei Minuten im kalten Wasser ist das auch nicht lebensgefährlich. Aber: wenn wir sofort an die Wärme flüchten, trainieren wir weder unseren Körper noch unsere Psyche darin, entspannt mit Kälte umzugehen und aus eigener Kraft wieder aufzuwärmen. Stattdessen - und weil die Kälteübung erst vorbei ist, wenn wir wieder warm haben - empfehle ich dir:

  3. Lass deine Muskeln arbeiten

    Plane nach jedem Eisbad ungefähr zehn Minuten Zeit ein, für Kraftübungen. z.B.:

    • Steh im Pferdestand (Squat) und hebe und senke abwechselnd langsam die linke und rechte Ferse.

    • Für den Oberkörper: begib dich in die Brett- oder Liegestütz-Position und senke die nach einender auf den einen und den anderen Ellbogen und bringe dein Gewicht wieder zurück auf die Hände.

    Alles ruhig und ohne Hast. Wir wollen das Herz nur mässig beanspruchen, solange unser Blut noch kalt ist.

  4. Atme dich warm

    Achte darauf, deinen Mund geschlossen zu halten und möglichst leicht und ruhig durch die Nase zu atmen. Auch während der Kraftübungen. Das unterstützt die Durchblutung und dein Körper verliert weniger Wärme, als wenn du durch den Mund atmest.

    Eine bewährte Atemtechnik, um den Körper aufzuwärmen, ist die Feueratmung (Kapalabhati): Atme stossartig rund 20 bis 30 Mal durch die Nase aus, indem du den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ziehst und wieder loslässt. Danach atmest du genussvoll ein, hältst einen Moment den Atem an und spannst dazu leicht deinen Beckenboden an. Wiederhole das 3 - 5 Mal. Falls du keine Erfahrung hast mit intensiven Atemübungen, führe diese Übung zur Sicherheit im Sitzen durch und lass dich beim ersten Mal von einer:einem Yogalehrer:in anleiten.

  5. Entspanne und vertraue

    Entgegen allem, was du vielleicht als Kind über Kälte gehört hast, vertraue darauf, dass dein Körper stark genug ist, sich nach und nach wieder aufwärmen. Lass Schultern und Bauch los. Lenke deine Aufmerksamkeit weg von den kalten Körperzonen, hinzu den warmen, z.B. hinter den Bauchnabel. Und wenn du magst, nimm diesen Fokus auf das Gute mit in den Alltag – das hilft mir erstaunlich oft, auch an frostigen Tagen innerlich warm zu bleiben.

Diese Prinzipien vermittle ich übrigens alle auch in meinen Eisbade-Workshops in der Schweiz – nicht als Dogma, sondern als Einladung am eigenen Körper zu erfahren, zu was wir fähig sind, wenn wir ihn verstehen und unterstützen.

Probier es aus. Und wenn du deine Erfahrungen mit mir teilen magst, freue ich mich sehr!

P.S. Sollte das alles, plus eine Tasse warmer Tee, immer noch nicht gereicht haben, warst du vielleicht einfach etwas zu lange im Eisbad? Über die richtige Kältedosis spreche ich hier.